Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein – Clubhouse ist „the new Kid in town“!

Januar 2021 – gefühlt die halbe Welt sitzt irgendwo zwischen Küchentisch und professionell eingerichtetem HomeOffice. Seit Monaten haben viele von uns an keinen grösseren Networking Events mehr teilgenommen. Auch die Pause an der Kaffeemaschine und das dazugehörige Gespräch fehlen irgendwie… Podcasts boomen unter anderem auch deshalb – man hört Menschen beim reden zu. Ob Fachthemen oder einfach ein Geplänkel über x beliebige Themen. Die Podcasts Gemischtes Hack und Fest & Flauschig haben nicht umsonst eine derart grosse Zuhörerschaft – bei Gemischtes Hack liest man von Hörerzahlen über einer Million. Die Downloadzahlen von Podcasts sind zudem seit Monaten auf einem Allzeithoch.

Und jetzt kommen die „Podcasts auf Steroiden“. Räume und Clubs sind die neuen „Gruppen“. Die dazugehörige App heisst Clubhouse und hat den Sprung nach Europa und in die Welt geschafft. Alles exklusiv, alles nur auf Einladung und derzeit ohnehin nur für iPhone Nutzer (Stand 22. Januar 2021). Clubhouse befindet sich auf Platz 5 der Schweizer Downloadcharts – gefolgt von TikTok (Platz 6) und Instagram (Platz 8). Facebook folgt dann weit abgeschlagen auf Platz 16, Snapchat befindet sich immerhin noch auf Platz 19. Es scheint, als würde die Welt der Sozialen Medien gerade frischen Wind erfahren. Der perfekte Zeitpunkt also, um früh auf ein Trend Netzwerk aufzusteigen oder doch nur ein weiterer vorübergehender Trend?

 

DIE GRUNDLAGEN

Technische Voraussetzung:
Ein iPhone ist Pflicht! Eine Android App existiert nach wie vor nicht (eben, Stand 22. Januar 2021). Zur App im App Store.

Nur auf Einladung:
Wer in die Community will, muss eingeladen werden. Bestehende Nutzer können neuen Nutzern Einladungen geben. Von Zeit zu Zeit erhalten Nutzer ein neues Kontingent an Einladungen und so wächst die Community.

Datenschutz:
Der Datenschutz bei Clubhouse ist ein umfassendes und schwieriges Thema. Ganz grundsätzlich lässt sich sagen: Ihr müsst eure eigene Telefonnummer an Clubhouse freigeben und habt die Möglichkeit, euer Adressbuch ebenfalls freizugeben um eure Kontakte auf der Plattform zu finden – dies ist aber kein „muss“.
Aufnahmen von Clubhouse sind übrigens verboten! Daher sind auch die Screenshots in diesem Artikelbild anonymisiert.

Adressbuch:
Wenn man jemanden einladen möchte, dann muss man das Adressbuch seines Smartphones freigeben. Nun gibt es diverse Szenarien, weshalb jemand sein Adressbuch nicht freigeben möchte/kann/darf, da diese auf einem amerikanischen Server gespeichert werden. Hier gibt es diverse Wege das Problem zu umgehen. Wer technisch begeistert ist nutzt diesen Weg. Wer es einfacher mag und Zugriff auf ein ungenutztes iPhone hat: Auf diesem das Adressbuch löschen – ausser die Kontakte welche ihr einladen möchtet, und danach auf Clubhouse anmelden. Danach kann man auch ein anderes Telefon nutzen.

Ein interessanter Bericht zum Thema Datenschutz auf Clubhouse findet ihr zudem hier .

 

FUNKTIONEN

Personen und Clubs:
In Clubhouse sucht man, ähnlich wie bei Instagram, nach Personen und kann diesen folgen. Daneben gibt es sogenannte Clubs denen man beitreten/folgen kann. Folgt man einem Club, erhält man eine Benachrichtigung sobald ein Talk dieses Clubs startet. Ebenso erhält man eine Benachrichtigung, sobald eine Person der man folgt, Moderator eines Raumes wird. Im Home Screen sieht man zudem Räume in denen Personen sind denen man folgt oder die auf eure Interessen passen.

Tipp: Füllt eure Biografie umfassend aus! Die Suchfunktion beinhaltet auch die Profilbeschreibung und so könnt ihr mit euren Themen gefunden werden.

Räume vs. Clubs:
Räume: Jeder kann einen Talk zu einem X-beliebigen Thema starten. Dann erhalten die eigenen Follower den Raum auf der Startseite der App dargestellt. Zudem erhalten Follower je nach Einstellung eine Benachrichtigung, dass Ihr einen Raum eröffnet habt. Über die „Entdecken“ Funktion lassen sich Räume zufällig finden – spezifisch danach suchen lässt sich nicht.

Club: Ein Club muss via Clubhouse beantragt werden. Stellt es euch ähnlich einer Baubewilligung vor. Wenn der Clubhouse Support findet dass euer Club gut zur Plattform ist, dann wird dieser bewilligt. Offenbar zählen auch Faktoren wie euer Engagement auf der App zu den Kriterien – ganz durchsichtig ist dies nicht.

Wie kann man auf Clubhouse einen Club eröffnen?
Via dem Support Formular kann man seinen eigenen Club beantragen. Die Zulassung kann einige Wochen dauern. Zum Formular.

Wie nutzen Tourismusunternehmen die neue Plattform?
Einige Touristiker sind schon auf der neuen Plattform präsent und zeigen sich auch im einen oder anderen Talk. Meist handelt es sich dabei natürlich um Personen aus dem Bereich Marketing / PR – doch auch einige Hoteliers haben den Sprung schon geschafft.

Auf Seiten der Unternehmen ist die Luft noch ziemlich dünn. Urlaubsguru und Ferienpiraten sind die zwei Unternehmen im deutschsprachigen Raum, welche die App derzeit schon gut einsetzen.
Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen die Clubhouse nutzen – Urlaubsguru veranstaltet regelmässig entsprechende „Rooms“ so zum Beispiel „Corona und Reisen im Jahr 2021“ – ein top aktueller Talk welcher während rund 2 Stunden Fragen und Themen rund um das aktuelle Top Thema Covid-19 bearbeitete.

Jeden Dienstag um 10.00 Uhr findet zudem der Talk „Zukunft des Tourismus“ statt. Zwei spannende Stunden die sehr breit gefächert sind. Von Hotelmarketing bis hin zur Covid-19 Situation werden zahlreiche Themen in der Runde bearbeitet.

Viele Touristiker scheinen sich auch nach den Networking Events zu sehnen und sind ebenfalls mit auf der Plattform.

Die neuen Podcasts?
Spricht man mit Podcastern, gibt es immer wieder den Input das Podcasts leider nicht sehr interaktiv sind. Clubhouse kann dieses Problem lösen. Doch dass ist nur ein Teil. Ob Netzwerkevent, Fachdiskussion oder eine gemeinsame Mittagspause: Clubhouse füllt einige Lücken die momentan bestehen.

So ist auch das Feedback der aktuellen Nutzer: Fast alle verbringen mehr Zeit auf der App als sie zu Beginn gedacht hatten.

Wohin entwickelt sich die Clubhouse App?
Es gilt nicht zu vergessen: Die App ist grundsätzlich in einer Beta Phase und, wie schon erwähnt, bisher erst auf iOS und exklusiv auf Einladung erhältlich. Das heisst dass das Wachstumspotential der App noch wahnsinnig gross ist und viele Nutzer die App noch nicht nutzen können, auch wenn Sie wollten.

Wohin sich die App also entwickelt, lässt sich nur schwer sagen. Derzeit ist es einfach erfrischend, eine App zu haben die einen ganz anderen Ansatz als die bekannten Social Media Apps verfolgt.

Muss man jetzt dabei sein?
Der berühmte „Fear of missing out“ Effekt. Also gehen drauf und man hat Angst etwas zu verpassen. Derzeit verpasst du wohl nichts. Aber die App ist eine absolut Willkommene Abwechslung in Zeiten von Home Office. In den ersten 4 Tagen meiner Clubhouse Erfahrung habe ich bereits 3 Tourismusstammtische besucht und war jedes Mal begeistert! Tolle Moderatoren die durch die 1-2 Stunden geführt haben und eine Menge Erfahrungsaustausch von Touristikern über die aktuelle Situation – und ich habe durchaus auch einige Learnings für meine Arbeit mitgenommen. Vielleicht ist die Fear of missing out also gar nicht so unbegründet 😉

Was solltest du jetzt tun?
Melde dich persönlich an. Schau dich mal um und finde heraus, was mit der App alles gemacht werden kann. Oder lass dir die App von jemandem aus deinem Umfeld zeigen.
Ob du dann ein Hoteltalk eröffnest oder einfach an Networking Event teilnehmen willst liegt ganz bei dir. Sei kreativ – die App steht am Anfang und es gibt faktisch kein Richtig oder Falsch.

 

TOURISMUS AUF CLUBHOUSE?

Was sagen Experten aus dem Bereich Social Media und Tourismus zu Clubhouse? Wie ist deren erster Eindruck der Plattform?

Dominic Stöcklin, Head of Social Media bei Schweiz Tourismus.

Dominic, Schweiz Tourismus war eine der ersten Tourismusorganisationen auf Clubhouse. Weshalb seid ihr auf der Plattform?
Die Mitarbeiter vom Social Media Team haben wie viele andere in den vergangen Woche begonnen, die App auf privater Basis zu nutzen. Dabei kam uns die Idee, dass es Sinn machen könnte auch für Schweiz Tourismus einen Account zu erstellen. Aktuell funktioniert die App bekanntlich nur auf Einladung und da haben wir eine unserer Einladungen dafür eingesetzt.

Welche Formate seht Ihr mit grossem Potential auf Clubhouse für den Schweizer Tourismus?
Wir verfolgen aktuell ein paar Ideen und hoffen in Kürze , die erste Idee umsetzen zu können. Grundsätzlich sehen wir das Potenzial, Tourismusinteressierte auf Clubhouse zusammen zu bringen. Das kann in einem B2B-Kontext sein, aber auch im Austausch mit und unter Touristen oder Schweiz-Fans.

Wie entscheidet ihr, ab wann ihr auf einer neuen Social Media Plattform ein Profil eröffnet? Gibt es kritische Faktoren, die erfüllt sein müssen?
Wir evaluieren ständig neue Plattformen und berücksichtigen dabei Faktoren wie Reichweite oder Ideen für Formate und Umsetzungspotenziale im Tourismus. Dabei gehen wir immer mal wieder bewusst früh auf Plattformen, um zu lernen. So war dies beispielsweise auch im letzten Jahr mit TikTok der Fall. Clubhouse sehen wir als spannende App im Audio-Bereich und das Audio-Thema ist bei uns immer wieder präsent. Das gilt übrigens auch für Podcasts. Damit konnten wir im letzten Jahr ebenfalls erste Erfahrungen (hier geht es zum Podcast) sammeln.

Was ist dein persönliches „Best Moment“ Erlebnis bisher auf Clubhouse?
Ich habe in der vergangenen Woche immer wieder in Rooms zugehört und war regelmässig überrascht über Qualität der Gespräche.

 

Kevin Kyburz, Blogger bei Techgarage.blog

Was war dein persönliches Highlight auf Clubhouse bisher?
Es gab einige: Ich bin kein Moderator und kein Podcaster, doch auf Clubhouse bin ich plötzlich beides und lerne dabei viele neue Menschen kennen.

Was hat dich genervt?
Viele Menschen versuchen sofort mit Clubhouse profit zu schlagen und Follower aufzubauen, was ich schade finde. Weiter erwarten alle bereits die perfekte App und vergessen dabei gerne dass der Dienst noch in der Bets Phase ist.

Wo siehst du das Potential für Clubhouse im Tourismus?
Tourismus lebt sehr von Emotionen, welche derzeit nur durch Bilder und Videos transportiert werden können. Audio ist hier sicher ein neuer spanender Kanal, wo potenzielle Besucher sich über eine Region informieren könnten. Weiter lassen sich einige Live Events oder Geschichten gut platzieren.

Hattest du schon einen Touchpoint mit Clubhouse im Tourismus?
Ich war bereits in einigen Runden zu als Speaker zu Gast, in welchen es um die Zukunft des Tourismus ging oder auch spezifische Themen bei Reisebloggern und ob Bloggen überhaupt noch wichtig sei 2021.

Clubhouse Schweiz, bei welchen Clubs und Rooms muss man mit dabei sein?
Aktuell gibt es nur einen Club von der Schweiz. Bald folgt der „Schweizer Club“ von mir und soweit ich weiss plant auch der FC Basel einen. Wichtig ist bei allem auf Clubhouse: Folgt den Clubs, welche eure Interessen decken, denn nur so findet ihr spannende Rooms, tolle Clubs und gute Personen.

Welchen Tipp würdest du einem Neuling auf Clubhouse mitgeben?
Siehe oben und fülle deine Biografie gut aus, denn die ist für die Suche wichtig.

Wie bekommt man viele Hörer?
Wichtig ist das man unterhält und zwar gut, wie es auch gute Speaker machen.

 

ICH WILL AUCH

Du möchtest jetzt auch zu Clubhouse, hast aber noch keine Einladung? Ich habe noch einige Einladungen und gebe diese gerne kostenlos an Touristiker weiter! Schreib einen Kommentar unter diesen Beitrag oder eine Email, wenn du auch in die App kommen willst!

 

Du brauchst einen Moderator für deinen Tourismus Raum auf Clubhouse?

Gerne bin ich touristischen Unternehmen behilflich, den Start in Clubhouse erfolgreich zu gestalten. Wenn du einen Moderator für deinen Raum benötigst, kontaktiere mich gerne unter clubhouse@jeremykunz.ch